Studiengang

Der Begriff des Konservierens impliziert für viele einen Akt des »Haltbarmachens« – als gäbe es sozusagen ein Wundermittel, in das man sein erhaltenswertes Objekt nur einbetten müsse, um es dem Zahn der Zeit und dem Verfall zu entziehen. Für analoge Objekte, wie klassische Fotografien mag dies in Grenzen sogar zutreffen, wenn man an das Schaffen von optimalen Archivbedingungen mit geeigneten Verpackungen, Kühl- oder gar Kaltlagerung und einen Zugriff über (digitale) Arbeitsmittel denkt. Doch für moderne, maschinenlesbare Dinge, wie Videoaufzeichnungen oder digitale Bilder und Geschäftsvorgänge gelten andere Gesetze. Das einfache Ablegen und vorübergehende Vergessen ist gleichbedeutend mit dem Tod dieser Objekte. Hier besteht das »Wundermittel« in rechtzeitigem Aktivwerden, dem Schaffen von Strukturen, Arbeitsabläufen, Budgets und Verantwortlichkeiten, einer genauen Dokumentation und ständigen Betreuung des Sammlungsgutes. Das dazu erforderliche Fachwissen ist weit verstreut und für den Einzelnen oft schwer zugänglich. Der Studiengang Konservierung Neuer Medien und Digitaler Information führt es zusammen.

Das Problem des Erhalts bietet dabei gleichzeitig auch eine immense Chance: Wer sich heute diese Schlüsselqualifikation verschafft, sollte alsbald hervorragende Perspektiven für eine berufliche Zukunft in der Bestandserhaltung haben.

Das Restaurieren, also das Wiederherstellen der ästhetischen oder physischen Integrität bereits geschädigter Objekte, wird dabei von unseren Studierenden nur bei entsprechenden Vorkenntnissen durchgeführt werden können. Diese Arbeiten bleiben ansonsten den dafür in deutlich längeren Studiengängen ausgebildeten Restauratoren vorbehalten, mit denen der Preservation Manager eng zusammenarbeitet.

Fotografie

Fotografien haben eine enorme und vielseitige Bedeutung für die Gesellschaft – ob als Zeitdokument, Kunstwerk, persönliche Erinnerung, Werbe- oder Propagandawerkzeug, als wissenschaftliches Hilfsmittel oder wirtschaftlicher Beleg. Museen, Archive, Bibliotheken, Unternehmen und Privatpersonen bewahren sie daher auf – und müssen doch allzu oft erkennen, dass diese empfindlichen Bilder Schäden erlitten haben. Viele dieser Schäden wären vermeidbar gewesen, hätte man über entsprechendes Fachwissen zur präventiven Konservierung verfügt.

Betroffen sind die unterschiedlichsten Erscheinungsformen von Fotografien, von einzelnen, spektakulär teuren Kunstwerken über mehrere Millionen Bilder in Bildarchiven bis zu neuen Datenbeständen mit digitalen Fotos. Will man die Schwachstellen rechtzeitig erkennen, sind Kenntnisse zur Technologie dieser Fotografien erforderlich, um durch kostengünstige und effektive Maßnahmen ihren langfristigen Erhalt bei gleichzeitig guter Verfügbarkeit zu garantieren.

Ob es um die geeignete Lichtbelastung für Inkjet-Drucke in einer Ausstellung, Klimadaten für ein Archiv mit Glasnegativen oder das Erschließen der Bestände durch Digitalisierung geht – immer wird ein Fachmann benötigt, der plant und koordiniert, Kosten im Auge behält, ggf. Spezialisten gezielt beauftragt und deren Arbeit kompetent beurteilen kann.

Dieser Fachmann ist der Preservation Manager. Er entlastet den Kurator, Archivar oder Bibliothekar nicht nur von fachfremder Arbeit, sondern sorgt durch seine Kompetenz als kundiger Berater, Netzwerker und Organisator dafür, dass uns Fotografien von gestern, heute und morgen noch lange als Zeugnis unserer Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft begleiten werden und als bedeutendes Kapital genutzt werden können.

Audiovisuelle Medien

Videoaufzeichnungen haben dem Film schon lange den Rang als bevorzugte Technik für bewegte Bilder abgelaufen. Ob als Medium avantgardistischer Künstler der Fluxus-Zeit, Werkzeug für Filmemacher oder Dokumentationsmittel im öffentlichen und privaten Raum, ob analog auf Magnetband oder digital auf Blu-ray Disc – in jedem Fall hat man es mit einer nur maschinenlesbaren, codierten Information zu tun. Dabei gibt nicht nur die Lebenserwartung dieser Speichermedien Anlass zu Sorge. Verschwindet die Maschine, verschwindet auch das aufgezeichnete Zeitgeschehen… Nur durch rechtzeitiges Dokumentieren und Übertragen der Videos auf neue Träger und in neue Technologien kann man sich dauerhaft vor Verlust schützen. Wer passiv bleibt, verantwortet unweigerlich das Verschwinden seiner Videobestände.

Doch wie dokumentiert man eine Videoaufzeichnung? Was ist die geeignete Technologie für Migrationen? Wie digitalisiert man analoges Video verlustfrei? Ist das vorliegende Material überhaupt erhaltenswert? In welchem Zustand befindet es sich? Welche Kosten sind zu erwarten und wer führt die Arbeiten durch? Fragen, die der Preservation Manager beantworten kann, denn durch seine Ausbildung ist er wie kaum ein anderer in der Lage, den Mitarbeitern und Nutzern von Museen, Archiven und Bibliotheken den Zugang zu Videoaufzeichnungen über sehr lange Zeiträume in möglichst authentischer Qualität zu garantieren.

Digitale Information

Digital information will last forever. Or five years. Whatever comes first… (Jeff Rothenberg)

Digitale Information ist wie ein genetischer Code: Wenn er von Generation zu Generation weitergegeben wird, kann er über sehr lange Zeiten überdauern. (Rudolf Gschwind)

Digitale Information ist codiert. Der Code wird durch eine eigene Industrie erzeugt und geschützt. Auch die zum Anzeigen dieser Information erforderlichen Decoder werden durch die Industrie erzeugt und geschützt. Um ihren Fortbestand zu garantieren, muss die Industrie Gewinne erwirtschaften. Das kann sie nur, wenn sie neue Codes und neue Decoder verkauft. Die Lebenserwartung der Codes und Decoder ist damit eine Funktion des Marktes. Das Überleben digitaler Information hängt also von einer ständigen Investition in neue Codes und neue Decoder ab.

Doch neben der Technologie ist der Faktor Mensch beim Erhalt digitaler Information eine entscheidende Größe. Er trifft die Entscheidung, welche Information in welcher Form gesichert wird – und welche Maßnahmen ergriffen werden, bei der unausweichlichen Übertragung von einem Träger auf den nächsten und von einem Format ins nächste die Authentizität der Information zu gewährleisten. Kann die neue Hardware die Information, die für eine alte bestimmt war, noch verstehen? Was ist das angemessene neue Format? Welche Funktionen werden unterstützt? Wie dokumentiert man digitale Objekte im Generationenwandel? Welche Farben sah man auf einem Bildschirm 1998, welche sieht man 2008? Wie werden Websites archiviert? Was ist ein Vertrauenswürdiges Digitales Archiv?

Archivare, Bibliothekare, Kuratoren, aber auch Restauratoren sind als normale User für diese Aufgaben nur selten qualifiziert und sollten anderes zu tun haben, als Bits und Bytes zu verschieben. Informatikern wiederum fehlt häufig der Zugang zur Welt des Kulturerhalts. Gefragt ist also ein Netzwerker, der während seiner Ausbildung gelernt hat, wie Bestandserhaltung, Datenarchivierung und Content Management durch Einbindung von IT-Spezialisten, Wahl der geeigneten Infrastruktur und Akquistition der erforderlichen Mittel erfolgreich verknüpft werden können: Der Preservation Manager.